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Blog - Aktuelle Neuigkeiten
Martin Hörmandinger

Innovationsstandort Österreich – Was es jetzt braucht, um im globalen Wettbewerb vorne zu bleiben

21. Mai 2026/in Gesundheitssystem der Zukunft, Wert der forschenden Industrie, Zugang zu Innovation

© Martin Hörmandinger

Österreich hat das Potential, ein international führender Life-Science-Standort zu sein. Aus der Perspektive eines global agierenden pharmazeutischen Unternehmens bringt das Land dafür viel mit: exzellent ausgebildete Fachkräfte, international anerkannte Ärzt:innen und Studienzentren, eine starke wissenschaftliche Basis sowie etablierte Strukturen im Gesundheitswesen.

Dieses Fundament ist eine große Chance – doch Potenzial allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie gut Rahmenbedingungen in der Praxis funktionieren – also wie schnell, verlässlich, planbar und innovationsfreundlich Prozesse tatsächlich sind und ob es gelingt, diese konsequent weiterzuentwickeln.

Denn aktuell zeigt sich ein anderes Bild. Österreich steht im internationalen Wettbewerb um Forschung und Innovation zunehmend unter Druck. Die größten Konkurrenten Europas, USA und China, haben innovative Therapien längst als strategische Schlüsselressourcen begriffen und bauen ihre Investitionen konsequent aus. Währenddessen verliert Europa – und damit auch Österreich – an Dynamik. Diese Entwicklung ist nicht abstrakt, sondern konkret messbar: So ist die Zahl klinischer Studien in Österreich in den Jahren 2021 bis 2024 um 28 % zurück gegangen.1

Das ist ein klares Warnsignal. Denn klinische Forschung ist weit mehr als ein Indikator für wissenschaftliche Aktivität – sie ist ein zentraler Standortfaktor. Dieser Rückgang ist aus meiner Sicht jedoch kein Hinweis auf mangelnde medizinische Qualität – im Gegenteil: Die Expertise in Österreich ist hervorragend. Ausschlaggebend sind vielmehr lange Genehmigungszeiten, hohe administrative Anforderungen und der intensive internationale Wettbewerb um attraktive Studienstandorte. Als Johnson & Johnson sehen wir trotz dieser Entwicklung weiterhin großes Potenzial in Österreich und engagieren uns kontinuierlich in der klinischen Forschung – gerade, weil wir den Standort langfristig als wichtig und leistungsfähig einschätzen.

„Klinische Forschung ermöglicht Patient:innen den frühzeitigen Zugang zu innovativen Therapien, stärkt den Wissensaufbau im Gesundheitssystem, schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze und entlastet gleichzeitig öffentliche Budgets, da viele dieser Therapien im Rahmen von Studien von Unternehmen finanziert werden. Wandert klinische Forschung ab, verliert ein Land daher gleich mehrfach.“

Innovation entfaltet ihre Wirkung jedoch erst dann voll, wenn sie auch bei den Patient:innen ankommt – und das möglichst rasch und planbar. Transparente, einfache und international wettbewerbsfähige Zugangs- und Erstattungsprozesse sind daher ein zentraler Bestandteil eines attraktiven Innovationsstandorts. Länder, in denen medizinische Innovationen nach der Zulassung früh und verlässlich in die Versorgung gelangen, sind auch für klinische Forschung besonders interessant.

Was bringt pharmazeutische Innovation?

Ein Aspekt wird dabei oft unterschätzt: Gesundheit und pharmazeutische Innovation sind nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich von zentraler Bedeutung. Medizinischer Fortschritt bedeutet heute ganz konkret, dass viele Erkrankungen, die früher lebensbedrohlich waren, behandelbar geworden sind und Menschen länger und besser leben können.

Besonders eindrücklich zeigt sich dieser Fortschritt etwa bei bestimmten Formen des fortgeschrittenen Lungenkarzinoms, bei denen zielgerichtete Therapien das Gesamtüberleben in den vergangenen 20 Jahren von unter zwölf Monaten auf knapp drei Jahre steigern konnten – und aktuelle Studiendaten deuten sogar darauf hin, dass innovative Therapieansätze eine Verlängerung von weiteren 12 Monaten ermöglichen könnten.

Gleichzeitig trägt Innovation dazu bei, dass Menschen länger im Erwerbsleben bleiben, weniger Pflege benötigen und insgesamt produktiver sind.2 Wertschöpfung entsteht dort, wo angewandte Forschung, Entwicklung und – wo möglich – auch Produktion zusammen gedacht werden. Dafür braucht es langfristige Standortstrategien und die Sicherheit, dass sich Investitionen in den Forschungs- und Entwicklungsstandort Österreich lohnen.

Studien zeigen: Für jeden Euro, der in Europa in Gesundheit investiert wird, fließen mehr als zwei Euro an wirtschaftlichem Nutzen zurück – zusätzlich zu den direkten Gesundheitsgewinnen.3

„Investitionen in Gesundheit sollten nicht als Kosten betrachtet werden, sondern als eine der nachhaltigsten Investitionen in Wohlstand und Lebensqualität.“

Das Gesundheitssystem gemeinsam weiterentwickeln

Innovation entsteht nicht isoliert, sondern in einem starken und funktionierenden Ökosystem. Es braucht daher ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten: von Politik, Behörden, Sozialversicherung, Wissenschaft, Patient:innen sowie auch der Industrie als aktivem, langfristigem und zuverlässigem Partner. Genau hier liegt eine große Chance – durch mehr Koordination, Transparenz und konstruktives gemeinsames Arbeiten.

Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen – was heißt das konkret?

Ein entscheidender Hebel ist ein klares und glaubwürdiges Bekenntnis zum Innovationsstandort Österreich – idealerweise in Form einer rasch umgesetzten, wirkungsvollen Life-Science-Strategie mit internationaler Signalwirkung und einem konkreten Umsetzungsplan.

Ebenso wichtig ist die Beschleunigung und Vereinfachung des Weges von klinischen Studien bis zum lokalen Marktzugang, damit Innovationen schneller zu den Patient:innen gelangen. Gerade im internationalen Vergleich sind Länder im Vorteil, die Prozesse effizient, digital und planbar gestalten.

Und nicht zuletzt sind eine konsequente Stärkung der Digitalisierung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Gesundheitsdaten essenziell. Sie bilden die Grundlage für moderne Forschung und eine bessere Versorgung. Im internationalen Vergleich ist Österreich hier bislang zurückhaltender als andere Nationen.4

„Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, können wir nicht nur den Anschluss halten, sondern aktiv gestalten. Wenn wir zögern, riskieren wir, weiter zurückzufallen – mit spürbaren Konsequenzen für Patient:innen, Wirtschaft und Gesellschaft.“

Viertens sind wettbewerbsfähige, planbare und attraktive Rahmenbedingungen für Forschung und Marktzugang entscheidend, um Investitionen anzuziehen und langfristig im Land zu halten.

Fünftens ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie zentral. Sie ermöglicht gemeinsame Entwicklungsprojekte, stärkt Kooperationsnetzwerke und hilft, die vorhandene österreichischer Expertise bestmöglich zu nutzen.

Fazit

Österreich hat das Potenzial, sich als attraktiver, resilienter und wettbewerbsfähiger Life-Science-Standort zu positionieren. Dieses Potenzial hebt sich jedoch nicht von selbst. Es braucht klare Entscheidungen, Mut zur Veränderung und ein gemeinsames Verständnis dafür, dass Innovation in der Medizin weit mehr ist als ein Kostenfaktor – sie ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft.

Sara Leitão ist Managing Director von Johnson & Johnson Innovative Medicine Austria (vormals Janssen Austria) und FOPI-Vizepräsidentin.

Dieser Beitrag wird von Janssen-Cilag Pharma GmbH, a Johnson & Johnson company unterstützt.

 

  1. Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (2026): Klinische Prüfungen gemäß AMG: Statistik 2025. Abgerufen unter: https://www.basg.gv.at/fileadmin/redakteure/06_Gesundheitsberufe/Klinische_Studien/AMG/BASG_CLTR_KP_AMG_Statistik_2025_DE_v1_2026-03-31.pdf ↩︎
  2. Walter, Evelyn, Institut für Pharmaökonomische Forschung (2025): Gesellschaftlicher Wert pharmazeutischer Innovationen für Österreich. ↩︎
  3. McKinsey Global Institute (2021): How keeping health a priority is a prescription for European prosperity. Abgerufen unter: https://www.mckinsey.com/industries/healthcare/our-insights/how-keeping-health-a-priority-is-a-prescription-for-european-prosperity ↩︎
  4. OECD (2026): Building people‑centred digital health systems. Abgerufen unter: https://www.oecd.org/en/publications/building-people-centred-digital-health-systems_a1df0046-en/full-report.html ↩︎
Schlagworte: Access to Innovation, Forschung und Entwicklung, Innovative Arzneimittel, Standort Österreich
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