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FOPI.flash März 2021

In dieser Ausgabe

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Editorial

Wir wollen die Zukunft des österreichischen Gesundheitswesens mitgestalten

Die Pharmaindustrie ist seit einem Jahr in einer ungewohnten Situation: Noch nie waren die Augen der Weltöffentlichkeit so sehr auf die Arzneimittel-Entwicklung gerichtet. Noch nie wurde uns so viel Aufmerksamkeit und Wissbegier entgegengebracht. Plötzlich wollten Menschen die Abläufe der Entwicklung, Produktion und Distribution verstehen, die sich bislang darüber kaum den Kopf zerbrochen hatten. Noch selten stand die Pharmawirtschaft aber auch derartig auf dem Prüfstand.

In dieser besonderen Situation haben wir uns als forschende Pharmaindustrie die Gretchenfrage gestellt: Was ist unsere ureigenste Aufgabe? Was unsere Mission? Unterschiedlichste Zugänge flossen ein und wurden in einem mehrwöchigen Diskussionsprozess schlussendlich auf ein Mission Statement verdichtet:

“We as FOPI want to co-create the future of Healthcare in Austria to ensure that innovative, life changing therapies and solutions unleash their full potential to deliver the best possible outcomes for patients and society.”

Wir als FOPI wollen die Zukunft des Gesundheitswesens in Österreich mitgestalten. So können wir gemeinsam sicherstellen, dass lebensverändernde Therapien und Lösungen ihr volles Potenzial entfalten und das bestmögliche Ergebnis für PatientInnen und Gesellschaft bieten.“

Dieses Selbstverständnis müssen wir nun mit Leben erfüllen und glaubhaft durch unser Tun sichtbar machen. Eine der Kernaufgaben, die wir daraus resultierend für uns definiert haben, ist Patient Empowerment. Die Unterstützung, das Ernstnehmen und die Befähigung von PatientInnen ist dabei kein ethisches Feigenblatt. Wir sind vielmehr überzeugt davon, dass mündige, verantwortungsbewusste und kritische PatientInnen einen Gewinn für das Zusammenspiel aller Player im Gesundheitswesen darstellen. Deshalb leisten wir einen Beitrag zu Patient Empowerment, indem wir Botschaften verstärken und eine Plattform bieten. Etwa durch die Umfrage und den Round Table, der Mitte März stattgefunden hat. Lesen Sie mehr dazu im zweiten Beitrag. Er zeigt ein Beispiel, wie wir unsere Mission erfüllen wollen.

Bernhard Ecker, Tuba Albayrak & Wolfgang Kaps
Präsidium des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI)

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Bild © Novo Nordisk

Interview

Bernhard Ecker: Türöffner für ein Leben in Gesundheit

Bernhard Ecker ist seit 18. März 2021 neuer Präsident des FOPI. Im Gespräch mit Tuba Albayrak und Wolfgang Kaps spricht er über die Gründe für sein Engagement, aber auch über die strategische Neuausrichtung des Verbands, die er mit seinen KollegInnen vorantreiben will.

Herr Ecker, Sie wurden Mitte März zum Präsidenten des FOPI gewählt und bilden damit – gemeinsam mit Tuba Albayrak und Wolfgang Kaps – das Führungsgremium des Verbands. Was treibt Sie persönlich an? Warum haben Sie die Aufgabe übernommen?

Bernhard Ecker: Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Das Engagement fürs FOPI entspricht meinen Grundwerten. Mir ist Vertrauen wichtig – im Privaten wie im Beruflichen. Ich will Freude an meinem Tun haben. Und ich muss immer einen Sinn in dem sehen, was ich verwirkliche – also eine Antwort auf das Warum haben. Genau darauf fokussiert das FOPI jetzt nach einem intensiven Strategieprozess, und das bringt mich zum zweiten Grund: Ich empfinde die Entwicklung, die der Verband derzeit nimmt, als hoch spannend und richtungsweisend. Tuba Albayrak, Wolfgang Kaps und eine Reihe anderer, sehr engagierter KollegInnen haben etwas in Gang gebracht. Da kann ich gar nicht anders, als mich einzubringen.

Frau Albayrak, Bernhard Ecker hat es schon angesprochen – das FOPI hat sich in den letzten Wochen strategisch neu ausgerichtet. Was bedeutet das konkret?

Tuba Albayrak: Nun, wir haben das FOPI nicht neu erfunden. Aber wir haben uns einige sehr grundsätzliche Fragen gestellt und zusammen versucht, Antworten darauf zu geben. Das FOPI ist ja keine gesetzliche Interessensvertretung, in der man mehr oder weniger zwangsläufig Mitglied ist. Wir sind die Vereinigung der forschenden pharmazeutischen Unternehmen, die aufgrund des Forschungsfokus‘ ein gemeinsames Ziel haben. Das haben wir freigelegt und beleuchtet.

Wolfgang Kaps: Genau. Wir wollten wissen, was ist es tatsächlich, was uns als forschende Unternehmen ausmacht? Was uns als Manager dieser Industrie anspornt …

Tuba Albayrak: Und das ist ganz klar: Wir wollen den Menschen in Österreich lebensverändernde, mitunter sogar lebensrettende Therapien und Lösungen zugänglich machen. Das mündet konkret in vier Zielen: Wir müssen den Zugang zu Innovationen verbessern, wir müssen die Kollaboration mit allen Beteiligten im Gesundheitssystem neu gestalten, wir sollten die Reputation unserer Branche erhöhen, und wir müssen PatientInnen unterstützen, stärken, also empowern.

Das klingt gut. Aber war das nicht schon bisher das Ziel des FOPI?

Wolfgang Kaps: Das meiste hatten wir schon lange im Blick. Das ist richtig. Wir haben in einigen Bereichen auch durchaus schon in der Vergangenheit Flagge gezeigt. Neu ist jetzt vermutlich, dass wir uns kompromisslos darauf konzentrieren wollen und eine noch längerfristigere Perspektive haben.

Tuba Albayrak: Neu ist außerdem auch, dass sich das Gemeinsame – das uns als forschende Pharmaindustrie verbindet – in der Art und Weise widerspiegelt, wie wir kooperieren und auftreten. Wir wollen eine diverse, transparente und inklusive Kultur leben, wo noch mehr als bisher alle Mitgliedsunternehmen gehört und in Entscheidungen eingebunden werden. Wo Zusammenarbeit ernst gemeint ist.

Herr Ecker, mit diesen Zielen vor Augen – wie wird das FOPI in vier Jahren gesehen werden?

Bernhard Ecker: Ich hoffe, dass wir als proaktiv und als Treiber der Themen wahrgenommen werden. Die forschende Pharmaindustrie kann der „Türöffner für ein Leben in Gesundheit“ sein. So will ich uns verstanden wissen. So müssen wir agieren.

Zur Person Dr. Bernhard Ecker
Der studierte Biochemiker (MSc, PhD) war seine gesamte Berufslaufbahn in der forschenden Pharmaindustrie tätig – zunächst im kaufmännischen Bereich rund elf Jahre für Abbott in Österreich, Frankreich und den USA sowie drei Jahre für Baxter. Dann arbeitete er zehn Jahre für Novartis, wo er verschiedene nationale und internationale Funktionen bekleidete, die ihn etwa nach Ungarn, Deutschland und in die Schweiz führten. Seit 1. März 2020 ist er General Manager von Novo Nordisk Pharma Österreich. Zudem kann er auf Verbandserfahrung als Board Member des AIPM (Association of innovative Pharmaceutical Manufacturers) in Ungarn verweisen.

© Katharina Schiffl

Bild © Katharina Schiffl

Umfrage und ExpertInnen-Round Table zum Thema:

PatientenvertreterInnen als FachexpertInnen – No-Go oder Notwendigkeit?

Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen nehmen als Mittler von Informationen, als BeraterInnen von PatientInnen und als Mitgestalter des Gesundheitssystems eine immer stärkere Rolle ein. Ein gesetzlicher ExpertInnenstatus bleibt ihnen aber bislang verwehrt. Das ist für die heimischen Patientenorganisationen unbefriedigend und nachteilig, wie eine aktuelle Umfrage ergab. Sie fordern die Anerkennung als FachexpertInnen und einen besseren Zugang zu medizinischen Fachinformationen.

Die Entwicklung der weltweiten Informationsgesellschaft beeinflusst auch die Arbeit und Rolle von Patientenorganisationen: In Österreich besteht ein Laienwerbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dieses regelt für VertreterInnen des Gesundheitswesens und pharmazeutische Unternehmen, welche Informationen diese an die Öffentlichkeit geben dürfen. Der Bundesverband Selbsthilfe Österreich (BVSHOE) setzt sich dafür ein, dass Patientenvertretungen per Gesetz nicht länger als Laien, sondern als FachexpertInnen definiert werden. Das ermöglicht den dringend notwendigen, frühzeitigen und erweiterten Zugang zu Informationen über Therapien u.ä., da sie nicht länger unter das Werbeverbot fallen.

Dazu Angelika Widhalm, Vorsitzende des BVSHOE: „Patientenorganisationen werden durch erweiterte und formalisierte Partizipation zunehmend in Entscheidungsprozesse eingebunden. Das ist erfreulich und höchst an der Zeit, stellt uns aber vor neue Aufgaben. Es wäre für uns daher wichtig, verstärkt Zugang zu Fachinformationen zu erhalten, beispielsweise im Zuge von Fachkongressen. Bislang sind wir davon ausgeschlossen und können, wenn überhaupt, nur unter erschwerten Bedingungen teilnehmen.“

Um diese Punkte fundiert diskutieren zu können, wurde im Spätherbst letzten Jahres eine Umfrage unter PatientenvertreterInnen und LeiterInnen von Patientenorganisationen in ganz Österreich vom BVSHOE in Auftrag gegeben. Unterstützt wurde diese – von medupha HealthCareResearch durchgeführte – Erhebung vom Joint Standing Committee „Patient Advocacy“ von FOPI und PHARMIG.

Umfrage: Patientenorganisationen fordern besseren Zugang zu medizinischen Fachinformationen

Die Ergebnisse dieser Umfrage zeichnen ein klares Bild: Patientenorganisationen sehen ausreichende und konkrete medizinische Informationen als unumgängliche Basis für ihre Arbeit. Die Aneignung von medizinischem Wissen – sei es in Form von Kongressteilnahmen oder dem Lesen der relevanten Literatur – empfinden die Funktionäre als absolut notwendig, und das wird schon jetzt soweit möglich praktiziert. Gerade deshalb wird ein besserer Zugang zu fachlichen Informationen breit eingefordert.

„Es fehlt am notwendigen Zugang zu Studiendaten und Fachpublikationen sowie an zielgruppenorientierter Kommunikation dieser Informationen“, betont Mag.(FH) Sabine Röhrenbacher, Leitung Kommunikation und Büro des BVSHOE. „Von Seiten der PatientenvertreterInnen besteht sowohl das Interesse als auch der Wille zur Fort- und Weiterbildung. Das wissen wir aus unserer Arbeit mit und für unsere Mitglieder, und das bestätigt auch die Umfrage. Die Rücksichtnahme auf die mangelnden zeitlichen Ressourcen der ehrenamtlich tätigen und gewählten Funktionäre ist dabei wichtig.“

Drei Themenbereiche kristallisierten sich als zentral heraus:

  • Patientenorganisationen benötigen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen – über den Zutritt zu Fachkongressen oder den Zugriff auf Online-Fachliteratur, und zwar in der relevanten Tiefe und auch in verständlicher Form. Ein Großteil wünscht sich dabei dezidiert einen stärkeren Wissensaustausch mit der Pharmaindustrie, um so über die Entwicklung neuer Medikamente und laufende klinische Studien auf dem letzten Stand zu sein.
  • Den meisten Vereinen fehlt es an finanziellen und auch personellen Ressourcen.
  • PatientenvertreterInnen fordern Wertschätzung und Austausch ein. Sie wollen als gleichwertige PartnerInnen gesehen und in Entscheidungen einbezogen werden.

„PatientenvertreterInnen sind ExpertInnen in ihrem Erkrankungsgebiet und dessen Umfeld“, appelliert Angelika Widhalm an die politischen EntscheidungsträgerInnen. „Sie wissen wie kaum ein anderer über Begleit- und Folgeerkrankungen sowie physische, psychische, soziale und arbeitsrechtliche Auswirkungen der Erkrankung Bescheid. Deshalb ist es falsch, sie nicht als ExpertInnen zu behandeln.  Sie sind ‚health care professionals‘ und werden von den PatientInnen und der Gesellschaft seit vielen Jahrzehnten so wahrgenommen. Patientenorganisationen sind die vierte Säule im Gesundheitswesen, leisten einen beträchtlichen Beitrag und sind seit langem PartnerInnen auf Augenhöhe von Ärzteschaft, Pharma, Forschung und Politik. Was in vielen Fällen schon selbstverständlich gelebt wird, muss auch endlich gesetzlich geregelt sein.“

Breite Unterstützung für die Forderung beim Round Table

Ob PatientenvertreterInnen Zugang zu medizinischen Informationen als Basis für Vertretung und Mitbestimmung erhalten sollen, wurde bei einem Round Table am 19. März 2021 mit namhaften EntscheidungsträgerInnen diskutiert. Unter der Moderation von Corinna Milborn (Informationsdirektorin bei ProSiebenSat1 PULS 4) tauschten sich Peter Lehner (Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger), Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD (Präsident der Österreichischen Ärztekammer) und Angelika Widhalm (Vorsitzende des BVSHOE) aus.

Video

Die starke Stimme

Der Mitschnitt des Online-Round-Tables „PatientenvertreterInnen als FachexpertInnen – No-Go oder Notwendigkeit?“ ist über die FOPI-Website oder direkt über den YouTube-Kanal des FOPI abrufbar. Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann hier gleich den Kanal abonnieren.

Zahl des Monats

Zahl des Monats

80 Prozent

der VertreterInnen von Patientenorganisationen wünschen sich mehr Wissen in Bereichen wie Interpretation von Studienergebnissen und Erfassen der statistischen Aussagekraft von Studien. Außerdem wird von immerhin einem Drittel der Befragten der Wunsch nach mehr Unterstützung von der Pharmaindustrie konkret angesprochen. Dieser betrifft vor allem das Angebot von Fortbildungen – sei es online oder mit persönlicher Anwesenheit sowie Informationen zu Erkrankungen und Therapien. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter PatientenvertreterInnen und LeiterInnen von Patientenorganisationen in ganz Österreich, die vom Bundesverband Selbsthilfe Österreich in Auftrag gegeben und von medupha HealthCareResearch durchgeführt wurde.

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Bild © Martin Lachmair

FOPI Führungspersönlichkeiten im Gespräch

Leif Moll: Wir ergreifen die Chancen der Digitalisierung nicht entschlossen genug

Um die Versorgung mit innovativen Arzneimitteln sicherzustellen, braucht es ein Umdenken von „Was kostet es?“ zu „Was bringt es?“ und ein forciertes Nutzen der Digitalisierung, meint Leif Moll, Geschäftsführer von Merck, im Interview mit FOPI.flash.

Sie konnten internationale Erfahrungen sammeln und haben zweifellos einen differenzierten Blick auf den österreichischen Gesundheitssektor. Welche Trends nehmen Sie wahr? Wie wird der Wert von Arzneimittel-Innovationen gesehen?
Österreich verfügt sicher über eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt, soweit ich das überschauen kann. Das macht sich beispielsweise fest am vergleichsweise leichten und breiten Zugang zu medizinischen Leistungen in Stadt und Land und in der Qualität der erbrachten Leistungen.

Verbesserungspotenzial sehe ich vor allem entlang zweier Dimensionen: Zum einen dauert der Zugang zu Arzneimittelinnovationen zum Teil recht lange und unterliegt einem nicht immer geradlinigen Prozess. Hier geht es nicht einmal primär um Preise für Arzneimittel, sondern vor allem um ein zügiges und transparentes Vorgehen, das schnellen und verlässlichen Zugang zu medizinischer Innovation für PatientInnen in ganz Österreich sicherstellt.

Ein anderes Thema ist sicherlich – wie in weiten Teilen Europas – der Bereich der Digitalisierung. Auch wenn sich Österreich hier mit der ELGA im europäischen Vergleich sicher schon deutlich abhebt, ergreifen wir nach meinem Dafürhalten die Chancen der Digitalisierung nicht entschlossen genug. Die Gründe hierfür sind vermutlich in einem nach wie vor stark fragmentierten Gesundheitssystem, aber auch in sehr hohen Datenschutzanforderungen zu sehen, denken wir nur an die Erfahrungen mit den Corona Tracing Apps. Wir brauchen ein digitales Ökosystem, das PatientInnen, Provider und Payer vernetzt und damit die Produktivität des Gesundheitssystems erhöht und den PatientInnen maßgeschneiderte eHealth Services anbietet. Es besteht sicher kein Mangel an eHealth Solutions – woran es fehlt, ist deren Vernetzung und breite Anwendung. Sozusagen als Nebeneffekt könnte man der medizinischen Forschung einen Schatz aus Milliarden von anonymisierten Datenpunkten „aus dem Feld“ zur Verfügung stellen, der das Innovationstempo noch einmal dramatisch erhöhen dürfte. Wir müssen Digitalisierung im Gesundheitssystem als Chance und nicht als Risiko begreifen. Das ist für mich eine der zentralen Erkenntnis aus der Corona-Pandemie.

Was schätzen Sie am österreichischen System?

Wie schon angedeutet, schätze ich den niederschwelligen und nahezu unbeschränkten Zugang zu einem breitgefächerten und qualitativ hochwertigen Leistungsangebot, das praktisch der gesamten Bevölkerung zur Verfügung steht. Dies betrifft auch und gerade den Spitalsbereich.

Die Dezentralisierung im österreichischen Gesundheitsbereich – die nicht immer positiv ist – kann aktuell z.B. bei der Corona-Pandemie sicherlich einen Vorteil bieten.  Unter Kenntnis der lokalen Situation kann auf Bedürfnisse regional passend reagiert werden. Gut sieht man das bei der Corona-Test-Strategie, die im Großen und Ganzen – auch im Vergleich zum Ausland – österreichweit gut funktioniert und lokal organisiert wird. Allgemein ist hier sicherlich eine ausgewogene Mischung aus nationalen Richtlinien, enge Abstimmung von Entscheidungsträgern und Experten verschiedener Ebenen sowie lokale Adaptionsmöglichkeiten der richtige Weg. Das funktioniert in Österreich.    

Können Sie über ein Beispiel aus Ihrem unmittelbaren Bereich berichten, das sinnbildlich für Ihre Einschätzung stehen kann?

Persönlich empfinde ich die österreichische Corona-Test Strategie als ziemlich gut gelungen. Da wurde in kurzer Zeit eine beachtliche Testinfrastruktur und Logistik aus dem Boden gestampft. Das ist gut für Österreich, das Gesundheitssystem und für jeden Einzelnen. Und es klappt, wie ich persönlich bestätigen kann, zumindest in Wien sehr gut. Leider nutzen noch immer zu wenige Personen dieses Testangebot. 

Was müsste getan werden, damit die Versorgung heimischer PatientInnen mit innovativen Arzneimitteln für die Zukunft sichergestellt ist?

Wir müssen pharmazeutische Forschung und damit schlussendlich auch Arzneimittel viel weniger als Kostentreiber, sondern mehr als Investitionen in die gesellschaftliche Zukunft verstehen. Also weniger „Was kostet es?“, sondern mehr „Was bringt es?“ im Sinne guter Lebensjahre von PatientInnen, die dann auch gesellschaftlich und ökonomisch produktiv genutzt werden können. Das heißt, wir als Industrie müssen weiter hart an medizinischer Innovation arbeiten. Aber auch die staatlichen Stellen sind gefordert, deren Wert für die PatientInnen und die Gesellschaft als Ganzes in einem zügigen und stringenten Prozess zu bewerten und bereit sein, diesen Mehrwert angemessen zu honorieren. Gerade die derzeitige Pandemiesituation zeigt doch, dass diejenigen Länder, die beim Thema Impfstoffbeschaffung schnell und beherzt gehandelt haben, im Vorteil sind und mithilfe dieser Investition erheblichen sozialen und ökonomischen Mehrwert generiert haben. Hier schließt sich übrigens der Kreis zum Thema Digitalisierung: Der bislang weitgehend unberührte Datenschatz aus Real-World Anwendungsdaten könnte die klinischen Daten aus den Zulassungsstudien abrunden und helfen, den Beitrag pharmazeutischer Innovation besser sichtbar und quantifizierbar zu machen – wie gerade in Israel zu beobachten ist.

Über Merck

Merck ist ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen und in Österreich mit den Bereichen Healthcare, Life Science und Electronics vertreten. Über 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln und vermarkten am Standort Österreich hochwertige Medikamente, innovative Produkte für die Biotech- und Pharmaindustrie und für die akademische Forschung sowie Spezialchemikalien für besondere Anwendungen. Global arbeiten rund 58.000 Mitarbeiter daran, im Leben von Millionen von Menschen täglich einen entscheidenden Unterschied für eine lebenswertere Zukunft zu machen: Von der Entwicklung präziser Technologien zur Genom-Editierung über die Entdeckung einzigartiger Wege zur Behandlung von Krankheiten bis zur Bereitstellung von Anwendungen für intelligente Geräte – Merck ist überall. 2020 erwirtschaftete Merck in 66 Ländern einen Umsatz von 17,5 Milliarden Euro. Wissenschaftliche Forschung und verantwortungsvolles Unternehmertum sind für den technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt von Merck entscheidend. Dieser Grundsatz gilt seit der Gründung 1668. Die Gründerfamilie ist bis heute Mehrheitseigentümer des börsennotierten Konzerns. Merck hält die globalen Rechte am Namen und der Marke Merck. Die einzigen Ausnahmen sind die USA und Kanada, wo die Unternehmensbereiche als EMD Serono, MilliporeSigma und EMD Electronics auftreten.

Weitere Informationen: www.merckgroup.com/at-de