© Katharina Schiffl

Wie stellen wir innovative Medikamente in Zukunft sicher?

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Die Wandlung bei Krebs von einer tödlichen zur chronischen Krankheit, Impfstoffe gegen COVID-19 oder Präzisionsmedizin – ohne die hohe Innovationskraft der Pharmaindustrie wären diese Errungenschaften nicht bzw. nicht in diesem Tempo möglich.

Innovation in der Gesundheitsbranche erfüllt keinen Selbstzweck, sondern erhöht Überlebenschancen, verbessert die Lebensqualität und kann Krankheiten verändern. Es ist daher extrem wichtig, die Innovationsfähigkeit der Pharmaindustrie für die Zukunft zu sichern.

Milliarden-Investitionen in Forschung und Entwicklung

Pharmaunternehmen investieren jährlich hohe Summen bzw. einen beachtlichen Teil ihres Umsatzes in die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe und innovativer Therapien. 2020 waren es laut EU Industrial R&D Investment Scoreboard insgesamt rund 28,3 Milliarden Euro in der EU, in den USA 51,6 Milliarden Euro.

Fünf Voraussetzungen für innovative Medikamente

Um das Innovationspotenzial auch weiterhin auszuschöpfen, braucht es folgende Maßnahmen:

  1. Technologisierung in der Pharmaindustrie: Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen oder Big Data sind auch in der Pharmaindustrie Schlüsselfaktoren für Innovation. KI und maschinelles Lernen erleichtern und beschleunigen nicht nur die Suche nach neuen Wirkstoffen. Sie helfen auch, Neben- und Wechselwirkungen von bereits zugelassenen Arzneimitteln zu erfassen. So können große, für den menschlichen Verstand nicht greifbare Datenmengen innerhalb kürzester Zeit gefiltert, analysiert und verarbeitet werden. Das bringt uns der personalisierten und leistbaren Medizin in riesigen Schritten näher. In der Krebstherapie konnte KI die Kosten für die Entschlüsselung des Genoms innerhalb eines Jahrzehnts von rund einer Million Euro auf einige hundert Euro reduzieren.
  2. Kooperation in der Pharmaindustrie: COVID-19 hat gezeigt, wie stark sich Kooperation auf die Innovationskraft auswirken kann: Es haben alle an einem Strang gezogen. In Zukunft werden alle Playerinnen und Player im Gesundheitsbereich genau so, also viel intensiver als früher, zusammenarbeiten müssen, um den Bedarf an innovativen Medikamenten zeitnah decken zu können. Denn die aktuellen, komplexen Herausforderungen im Gesundheitswesen sind nicht im Alleingang zu bewältigen. Dazu müssen wir Silodenken und Unternehmensgrenzen überwinden. Kooperationen von großen Konzernen mit Start-ups werden bedeutender und bringen für beide Seiten Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich. In der Medikamentenproduktion brauchen wir Kooperation, um den europäischen Standort zu stärken und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit von Sanofi mit Pfizer/Biontech bei der Herstellung des COVID-19-Impfstoffs. Sanofi hat seine Produktionsanlagen zur Verfügung gestellt und allein 2021 mehr als 100 Millionen Impfdosen abgefüllt. Solche und ähnliche Kooperationen mehrerer Pharmaunternehmen zur gemeinsamen Nutzung von Produktionsstätten sowie zu Forschungszwecken treiben Innovationen bei gleichzeitiger Kostensenkung voran und bringen eine neue Dynamik in die Gesundheitsversorgung.
  3. Patentschutz: Der Patentschutz ist eine wesentliche Voraussetzung, um Innovationen im Gesundheitsbereich voranzutreiben. Darüber hinaus ist er die Basis für Kooperation. Nur wenn Forschungseinrichtungen und Unternehmen sichergehen können, dass ihre Ideen und Technologien vor Nachahmerinnen und Nachahmern geschützt sind, werden sie sich auf Kooperationen einlassen und ihr Know-how teilen. 
  4. Faire Preisgestaltung: Die Erforschung innovativer Therapien ist zeit- und kostenintensiv. Im Durchschnitt kostet die Entwicklung eines innovativen Medikaments rund 2,2 Milliarden Euro und hat statistisch gesehen geringe Erfolgschancen: Nur sehr wenige Arzneimittelwirkstoffe schaffen es letztlich auf den Markt. In der öffentlichen Diskussion über die Preisgestaltung ist dieser Aspekt allerdings leider viel zu wenig präsent. Die Regelungen und deren Auslegung haben sich in den vergangenen Jahren in Österreich eindeutig verschlechtert. Dies kann zur Folge haben, dass nicht alle innovativen Medikamente den Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf, um auch im internationalen Vergleich nicht ins Hintertreffen zu geraten. Denn eine faire Preisgestaltung ist das Um und Auf, um Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig leistbare Medikamente zur Verfügung stellen zu können.
  5. Zugang zu Innovation: Wie schon erwähnt hat Innovation im Gesundheitsbereich keinen Selbstzweck, sondern relevante, teils lebenswichtige Auswirkungen auf die Menschen. Diese Auswirkungen können jedoch nur eintreten, wenn Innovationen auch tatsächlich bei den Patientinnen und Patienten ankommen. Sowohl die Pharmaindustrie als auch die Politik tragen eine Verantwortung, den Zugang zu innovativen Medikamenten zu gewährleisten. Sanofi versucht, dieser Verantwortung auf mehreren Wegen gerecht zu werden, unter anderem mit der Initiative „Access to Medicine“. Sie verschafft Menschen in armen Ländern einen leistbaren Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten und Impfstoffen.

Fazit

Um die Innovationsfähigkeit der Pharmaindustrie auch in Zukunft zu sichern, müssen wir an mehreren Punkten ansetzen. Dabei sind alle Playerinnen und Player gefragt, Maßnahmen zu ergreifen. Der Nutzen, der daraus langfristig resultiert, ist enorm. So können wir für die künftigen gesundheitlichen Herausforderungen innovative Lösungen bieten und die Gesundheitsversorgung und das Leben der Menschen wesentlich verbessern.

Dkfm. Wolfgang Kaps ist Country Lead für Österreich und die Schweiz bei Sanofi.