Therapeutische Medikamente gegen COVID-19 – Antivirale Medikamente

Eine Gruppe an Medikamente, die eigentlich für andere Erkrankungen entwickelt wurden und deren Eignung nun für COVID-19 untersucht wird (“Repurposing”), sind antivirale Arzneimittel. Sie wurden ursprünglich in Zusammenhang mit HIV, Ebola, Hepatitis C, Grippe, SARS oder MERS (zwei von anderen Coronaviren-Krankheiten) erforscht. Und sie sollen die Vermehrung der Viren blockieren oder verhindern, dass Viren in Lungenzellen eindringen.

Ein Überblick über einige Projekte (der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt)[i],[ii]

  • Remdesivir wurde ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt, zeigte im Labor aber auch Wirksamkeit gegen MERS-Viren. Es wird aktuell in mehreren Studien erprobt[iii]. Am 29.04. wurden vom US-amerikanischen NIAID erste positive Studienergebnisse verkündet: Demnach war es in der Studie möglich, mit dem Wirkstoff die Krankheitsdauer um einige Tage zu verkürzen. Weitere Ergebnisse sind in den kommenden Wochen zu erwarten. In den USA hat das Medikament eine Sonderzulassung gegen Covid-19 erhalten; auch in Japan wurde es zugelassen. In der EU ist es im Rahmen eines Härtefallprogramms für die Covid-19-Therapie einsetzbar. Die EU-Zulassungsbehörde EMA hat zudem im Rahmen des laufenden Zulassungsverfahrens am 25.06. empfohlen, dass das Medikament eine bedingte Zulassung erhalten soll; die zu erteilen, obliegt dann der EU-Kommission. Der Hersteller hat gleich mehreren anderen Unternehmen die Lizenz für Produktion und Vertrieb eigener Remdesivir-Medikamente erteilt.
  • Lopinavir / Ritonavir sind in Kombination seit fast 20 Jahren für die HIV-Therapie zugelassen. Eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) konnte keine Verbesserung im Vergleich zur Standardbehandlung nachweisen. Derzeit laufen jedoch 14 weitere Studien, mit deren Ergebnisse in den nächsten Monaten zu rechnen ist[iv].
  • Favipiravir ist ein japanisches Influenza-Medikament, das von der EMA nicht zugelassen ist. Es wird derzeit in 9 Studien (davon eine in Phase II und zwei in Phase III) untersucht. Der Abschluss von drei laufende RCTs wird im Juni erwartet[v].
  • ATR-002 ist ein Kinaseinhibitor (genauer: ein MEK-Inhibitor) und ebenfalls eigentlich gegen Grippe in Entwicklung. Das Unternehmen konnte in Laborversuchen zeigen, dass der Wirkstoff auch die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmt. Zudem hat er eine immunmodulatorische Wirkung, die zu einer verminderten Freisetzung von Botenstoffen führt, die eine Immunreaktion verstärken. Nun ist für Juli 2020 der Beginn einer klinischen Phase-II-Studie mit stationär behandelten Patienten mit mittelschwerem Covid-19 vorgesehen.[vi]
  • APN01 ist aus der SARS-Forschung hervorgegangen und wurde zwischenzeitlich auch schon gegen andere Lungenerkrankungen erprobt. Es blockiert ein Molekül auf den Viren, das diese zum Eindringen in Lungenzellen benötigen und hilft zusätzlich dabei, Lungenschäden durch Entzündungsreaktionen zu vermeiden. Aktuell wird es in einer klinischen Studie in Deutschland, Österreich und Dänemark untersucht, deren Ergebnisse frühestens im November 2020 publiziert werden[vii].
  • Chloroquin ist seit den 70er Jahren als Wirkstoff in Malaria-Medikamenten bekannt geworden, wurde aber in den letzten Jahren nur noch wenig verordnet. Mittlerweile ist bekannt, dass der Wirkstoff auch antiviral eingesetzt werden kann. Nach positiven Labortests gegen SARS-CoV-2 kam von chinesischen Forschern inzwischen die Nachricht, dass sich Chloroquin in einer klinischen Studie als wirksam erwiesen habe. Die amerikanische FDA erließ eine „Emergency-Zulassung“ für COVID-19, nicht jedoch die EMA. Parallel dazu werden auch Malariamedikamente mit dem ähnlichen Wirkstoff Hydroxychloroquin in Studien geprüft. Am 17. Juni 2020 verkündete die WHO jedoch, dass der Hydroxychloroquin-Arm der SOLIDARITY-Studie gestoppt wurde. Die Executive Group der SOLIDARITY-Studie traf diese Entscheidung, nachdem Daten der Studie (inklusive Daten der französischen DISCOVERY-Studie sowie der britischen RECOVERY-Studie) keine Verringerung der Mortalität bei hospitalisierten COVID-19-PatientInnen nachweisen konnten.[viii] Einzelne Länder wie Frankreich haben unabhängig davon den Einsatz Hydroxychloroquin verboten.
  • Camostat Mesilat ist eigentlich kein antiviraler Wirkstoff, sondern ein Wirkstoff aus der Gruppe der Protease-Inhibitoren, der u.a. bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse eingesetzt wird. Forscher eines deutschen Konsortiums von Forschungseinrichtungen haben aber festgestellt, dass er im Labor ein Enzym von Lungenzellen hemmt, das für das Eindringen der SARS-CoV-2-Viren essenziell ist. Deshalb sind nun drei Studien registriert – eine davon in Dänemark (Ergebnisse Dezember 2020) und eine in Yale/USA[ix].
  • Leronlimab ist ein Antikörper-Wirkstoff (CCR5-Antagonist), der seit längerem gegen HIV und tripel-negativen Brustkrebs entwickelt wird, wofür auch schon in Studien laufen. Einige COVID-19-Patienten erhielten das Medikament schon im Rahmen eines Härtefallprogramms [x].
  • Interferone bekämpfen Viren nicht direkt, sondern fördern die körpereigene Virenabwehr. Sie sind Varianten körpereigener Botenstoffe, die gentechnisch hergestellt werden. Sie werden in mehrere Untergruppen unterteilt, von denen gegen SARS-CoV-2 die Alpha- und die Beta-Interferone (INFb) von Bedeutung sind. Zwei INFb-Präparate sind für Multiple Sklerose zugelassen. INFb wird derzeit in acht Studien erprobt, mit deren Ergebnissen erst 2021 zu rechnen ist[xi].

Laufende Updates zu den Projekten liefert u.a. der Tracker des US-amerikanischen Milken Institute[xii]

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[i] Quelle: vfa. Die forschenden Pharmaunternehmen | www.vfa.de

[ii] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[iii] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[iv] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[v] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[vi] Quelle: vfa. Die forschenden Pharmaunternehmen | www.vfa.de

[vii] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[viii] Quelle: WHO | “Solidarity” clinical trial for COVID-19 treatments

[ix] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[x] Quelle: vfa. Die forschenden Pharmaunternehmen | www.vfa.de

[xi] Quelle: AIHTA | Covid-19 HSS/ Horizon Scanning Living Document V03 June 2020

[xii] Quelle: Milken Institute | COVID-19 Treatment and Vaccine Tracker