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Mike Starnawski: Die EU Clinical Trial Regulation könnte von Nachteil sein

Als Medical Director bei Roche Austria sieht Mike Starnawski tatsächlich eine Gefahr in der neuen EU Clinical Regulation, weil Österreich damit den Vorteil eines schnellen Studienstarts verlieren könnte. Er benennt deshalb im Wordrap mehrere Punkte, wo seiner Meinung nach anzusetzen wäre.

Was fasziniert Sie an klinischer Forschung?

Die Möglichkeit, den medizinischen Fortschritt voranzutreiben, unser Wissen über Krankheiten zu erweitern und PatientInnen zu helfen. PatientInnen, die an klinischen Studien teilnehmen, haben sehr oft bessere Chancen auf Heilung oder auf Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Was heißt klinische Forschung in Österreich für Sie?

Das wissenschaftliche Ansehen Österreichs in Europa und die Reputation als innovatives Land zu stärken. Enge Zusammenarbeit mit medizinisch-wissenschaftlichen Experten und -Fachgesellschaften ist notwendig, um unser Wissen zu erweitern und eine personalisierte Patientenversorgung zu entwickeln.

Spielt Österreich in der internationalen klinischen Forschung mit oder verlieren wir den Anschluss?

Tatsächlich könnte die neue EU Clinical Trial Regulation für Österreich von Nachteil sein, da aufgrund der vorgegebenen Timelines bei der Einreichung ein schneller Studienstart, bedingt durch eine schnellere Begutachtung durch Ethikkommissionen und Behörden im Vergleich zu anderen Ländern, dann nicht mehr möglich ist.

Wo sind die Pain-Points der klinischen Forschung in Österreich?

Der komplizierte und manchmal langwierige administrative Prozess beim Start einer klinischen Studie im Vergleich zu anderen Ländern. Auch die langsame Umsetzung der Digitalisierung und eine Überinterpretation des Datenschutzes sind weitere Pain-Points.

Was würden Sie benennen, wenn Sie drei Wünsche zur Verbesserung der Lage freihätten?

Die Vereinfachung der Initiierung klinischer Studien in Österreich ist sehr wichtig. Weiters, eine bessere Anerkennung des Wertes klinischer Studien in der österreichischen Bevölkerung. Außerdem, ein gut funktionierendes und landesweites Überweisungssystem von PatientInnen an Studienzentren.

Dr. Mike Starnawski ist seit März 2022 Medical Director von Roche in Österreich. Er promovierte an der Medizinischen Universität Danzig in Polen, hat klinisch als Gynäkologe gearbeitet und seine Doktorarbeit über das Ovarialkarzinom verfasst. Nach seinem Eintritt in die Pharmaindustrie war er in verschiedenen medizinischen Funktionen, sowohl in Roche-Niederlassungen als auch in der Roche-Zentrale in Basel tätig. Zu seinen Aufgaben gehörten führende globale Programme in den Bereichen Brustkrebs, GI-Tumoren, Dermato-Onkologie und Hämatologie. Über die klinische Forschung hinausinteressiert er sich sehr für die Digitalisierung in der Medizin und die medizinische Möglichkeit, der Daten aus Gesundheitssystemen zu gewinnen, um den medizinischen Fortschritt zu beschleunigen und die PatientInnenversorgung zu verbessern.