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Karin Hock: Klinische Studien sind oft die letzte Rettung

Die Einbindung in klinische Studien stellt für viele schwer erkrankte Patient:innen – etwa in der Onkologie – den letzten Hoffnungsschimmer dar. Deshalb ist klinische Forschung für Karin Hock, Country Medical Manager Oncology bei Daiichi Sankyo in Österreich, unverzichtbar. Doch dazu müsste vor allem etwas dafür getan werden, um die talentiertesten Ärzt:innen in Österreich zu halten, meint sie im FOPI Wordrap.         

Was fasziniert Sie an klinischer Forschung?

Viele Patient:innen in Österreich warten dringend auf eine rettende Therapie, gerade im onkologischen Bereich. Für mich ist es immer wieder erfüllend, diesen Menschen mit der Teilnahme an klinischen Studien neue Hoffnung zu geben. Selbst wenn es nicht um Heilung, sondern „nur“ um Lebensverlängerung geht.

Was heißt klinische Forschung in Österreich für Sie?

Klinische Studien sind für viele Patient:innen die sprichwörtliche letzte Rettung, weil trotz vieler Vortherapien die Erkrankung voranschreitet oder nichts mehr hilft. Und solche schwer erkrankten Menschen gibt es in jedem Land, auch in einem kleinen Land wie Österreich.

Spielt Österreich in der internationalen klinischen Forschung mit oder verlieren wir den Anschluss?

Derzeit sind wir noch vorn dabei, denn wir haben exzellente Expert:innen und Studienzentren. Aber ich weiß, dass die Studienzentren über zu wenig Nachwuchs und Personalmangel klagen. Das könnte dazu führen, dass wir den Anschluss verlieren.

Wo sind die Pain-Points der klinischen Forschung in Österreich?

Wir haben hierzulande eine hervorragende Ausbildung. Doch es ist oft schwer, die guten Leute im Land zu halten, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Weiters dauern die Genehmigungsverfahren für Studien in Österreich oft länger, wodurch dann manchmal das „Window of Opportunity“ schon geschlossen ist. Und nicht zuletzt fehlt es den Studienzentren teilweise an finanziellen Mitteln.

Was würden Sie benennen, wenn Sie drei Wünsche zur Verbesserung der Lage freihätten?

Ich würde mir erstens eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Studienzentren und Pharmaindustrie erhoffen. Ich wäre zweitens froh, wenn Österreich nicht als das „kleine Anhängsel von Deutschland“ gesehen werden würde, auf das man ggf. verzichten kann. Denn wir haben das Know-how für klinische Studien und können gerade durch die enge Vernetzung im Land Vorteile bieten. Und ich würde mir drittens wünschen, dass Nachwuchstalente gefördert und den Expert:innen längerfristige Perspektiven geboten werden, um sie so in Österreich zu halten.

Karin Hock, PhD, ist seit Mai 2021 Country Medical Manager Oncology bei Daiichi Sankyo in Österreich. Davor war sie für Novartis Oncology tätig.