Photo Holger Bartz_credits Lena Gripshöfer

Holger Bartz: Für Innovationen ist ein stabiler Rahmen nötig

Um Innovation nach Österreich zu bringen oder in Österreich entstehen zu lassen, braucht es stabile Rahmenbedingungen und klare Regeln. Das heißt, dieser Rahmen darf nicht beliebig veränderbar sein, meint Holger Bartz, Medical Director Janssen, im Interview mit FOPI.flash zur Versorgung heimischer PatientInnen mit innovativen Arzneimitteln.

Sie konnten internationale Erfahrungen sammeln und haben zweifellos einen differenzierten Blick auf den österreichischen Gesundheitssektor. Welche Trends nehmen Sie wahr? Wie wird der Wert von Arzneimittel-Innovationen gesehen?

Im internationalen Vergleich sind die Entwicklung und der Zugang zu Innovation im österreichischen Gesundheitssystem weit entwickelt. So sind neue therapeutische Möglichkeiten zügig verfügbar; gleichzeitig gibt es Regeln, was neue Produkte leisten müssen, um als innovative Therapieoption anerkannt zu werden, und es gibt sehr strikte Vorgaben, ab wann Produkte ihren Status als Innovation verlieren. Dadurch werden die Gesamtbelastungen balanciert und das System bleibt stabil. In jüngster Zeit habe ich beobachtet, dass sich das Prozedere zur Beurteilung einer Kostenübernahme für innovative Arzneimittel in manchen Therapiegebieten erweitert: Es gibt zunehmend zusätzliche Gremien im intramuralen Bereich, welche die lokale Erstattungsfähigkeit prüfen und damit den Zugang zu Innovation mitunter verzögern. Stabile Rahmenbedingungen und klare Regeln sind aber wichtig, um Innovation für PatientInnen anwendbar zu machen.

Im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich gibt es aus meiner Sicht sehr spannende Entwicklungen: Die nationale Vernetzung der österreichischen Institutionen hat sich an vielen Stellen verbessert und intensiviert sich zunehmend. Dadurch ist die internationale Sichtbarkeit der österreichischen wissenschaftlichen Expertise wieder wesentlich gestiegen.

Außerdem finde ich sehr interessant, dass es eine starke wissenschaftliche Begleitung und Analyse des österreichischen Gesundheitssektors von akademischer Seite gibt, beispielsweise durch das österreichische Netzwerk des FH Studiengangs für Gesundheitsmanagement. Hier werden die Leistungsfähigkeit und die Ansätze des österreichischen Systems in den internationalen Kontext gestellt, um Verbesserungspotential zu identifizieren und zu nutzen. Diese intensive wissenschaftliche Begleitung kenne ich in vergleichbarer Form in anderen Ländern nicht.

Was schätzen Sie am österreichischen System?

Die hohe Qualität der Versorgung in der Breite, die enorme wissenschaftliche und medizinische Leistungsfähigkeit der Kliniken in der Maximalversorgung und die starke Bereitschaft des Systems, sich ständig zu verbessern, finde ich herausragend. Ich denke gerade die SARS-CoV-2-Pandemie hat gezeigt, wie robust, ausgereift und leistungsfähig das österreichische Gesundheitssystem selbst in einer globalen Akutsituation ist. Wichtig ist aus meiner Sicht auch hier das abgestimmte Vorgehen der Beteiligten. Hervor zu streichen ist die Bereitschaft von Politik, Wissenschaft und verschiedensten Vertretern im Gesundheitssystem, gezielt Expertise für eine bestmögliche, nachhaltige Versorgung der in Österreich lebenden Menschen einzuholen und Weiterentwicklungen voranzutreiben.

Können Sie über ein Beispiel aus Ihrem unmittelbaren Bereich berichten, das sinnbildlich für Ihre Einschätzung stehen kann?

Da Janssen in verschiedenen therapeutischen Gebieten aktiv ist, durfte ich in einigen Bereichen vergleichbare Beobachtungen machen. Als nur ein beeindruckendes Beispiel möchte ich das CART-Netzwerk nennen, welches sich intensiv mit einer bestimmten Art von Zelltherapien beschäftigt, die völlig neue Optionen bei verschiedenen Arten von Blutkrebs bieten. Hier ist es den österreichischen Behandlungszentren gelungen, eine weltweit vorbildliche Struktur zu etablieren, um sowohl die Patientenversorgung als auch die wissenschaftliche Entwicklung bestmöglich zu gestalten. Derartige Ansätze kann ich in verschiedenen Fachrichtungen beobachten.

Was müsste getan werden, damit die Versorgung heimischer PatientInnen mit innovativen Arzneimitteln für die Zukunft sichergestellt ist?

Damit Innovation für PatientInnen wirksam werden kann, muss sie unter anderem in eine bestehende Rahmeninfrastruktur einzugliedern sein. Um Innovation nach Österreich zu bringen oder in Österreich entstehen zu lassen, muss dieser Rahmen bekannt, eindeutig und stabil sein; darf also nicht beliebig veränderbar sein. Das bedeutet: Jeder Partner im Gesundheitssystem muss seine definierte Rolle fair und verlässlich wahrnehmen und muss darauf vertrauen können, dass Voraussetzungen für Innovationsbewertung und -zugang stabil bleiben. Nur so bleibt Innovation entwickelbar, bezahlbar und steigert die Versorgungsqualität für Patienten.

Über Janssen Pharmaceutical Companies von Johnson & Johnson

Janssen setzt sich für eine Zukunft ein, in der Krankheiten der Vergangenheit angehören. Wir bei den Janssen Pharmaceutical Companies von Johnson & Johnson arbeiten unermüdlich daran, dass eine solche Zukunft für Patienten auf der ganzen Welt zur Wirklichkeit wird, indem wir Krankheit durch Forschung bekämpfen, den Zugang zu Therapien mit innovativen Lösungen verbessern und Hoffnungslosigkeit mit ehrlicher Fürsorge heilen. Wir konzentrieren uns auf Bereiche in der Medizin, in denen wir am meisten verändern können: Herz-Kreislauf-Erkrankungen & Stoffwechselerkrankungen, Immunologie, Infektionserkrankungen & Impfstoffe, Neurowissenschaften, Onkologie und Lungenhochdruck.

Mehr erfahren Sie auf www.janssen.com und www.janssen.com/austria. Folgen Sie uns auf www.twitter.com/janssenEMEA, um neueste Meldungen zu erhalten.