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FOPI.flash Oktober 2022

In dieser Ausgabe

analysis-2030261 (Konstantin Kolosov auf Pixabay)_breit

Editorial

Falsche Signale

Das Budget für 2023 liegt vor, und es beinhaltet im Gesundheitsbereich keine Überraschungen. Laut Budgetbericht sinken die Aufwendungen des Bundes für Gesundheit im Jahr 2023 um 1,74 Mrd. Euro auf insgesamt 2,855 Mrd. Euro. Grund sind vor allem geringer eingepreiste Ausgaben für die Corona-Pandemie. Insgesamt erhöht sich das Budget des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsument:innenschutz im kommenden Jahr aber um rund 1 Mrd. Euro. Sozial- und Gesundheitsminister Johannes Rauch setzt nach eigenen Angaben Schwerpunkte unter anderem bei der Armutsbekämpfung, der Pflege sowie bei der Gesundheitsförderung und -vorsorge. Den Einsparungen von rund 1,7 Mrd. Euro stehen deutliche Steigerungen bei den Ausgaben für Soziales gegenüber.

Das ist gut und richtig so, denn diese Bereiche benötigen die Mittel dringend. Und Ausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention sind ein Investment, das sich rechnet.

Diesem politischen Signal stehen jedoch Signale aus anderen Bereichen des Gesundheitssystems gegenüber, die wenig zukunftsweisend scheinen. Anstatt längst anstehende Reformen umzusetzen und Innovationen den Vorrang zu geben, wird schlichtweg über Finanzquellen nachgedacht. Damit steht das Gesundheitssystem aber weiterhin auf tönernen Beinen und ist mitnichten für künftige Herausforderungen gerüstet.

Bernhard Ecker, Anthea Cherednichenko und Michael Kreppel-Friedbichler
Präsidium des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI)


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© Shutterstock

Gastbeitrag

Ist Gesundheit wirklich ein europäischer Wert?

Die Pandemie hat uns gezeigt, wie viel wir erreichen können, wenn der politische Wille vorhanden ist. Wir können gemeinsam handeln und effizient sowie schnell ein Ökosystem entwickeln, das Innovationen unterstützt. Doch es besteht die Tendenz, sich auf die Gestaltung der Zukunft in strikter wirtschaftlicher Hinsicht zu konzentrieren, wodurch die Rolle, die die Gesundheit bei der Unterstützung unserer Volkswirtschaften spielt, oft unterschätzt, wenn nicht sogar völlig übersehen wird. Ein Gastbeitrag von Ivana Cattaneo, Vorsitzende der EFPIA Onkologie-Plattform und Public Affairs Director Oncology Europe bei Novartis (übersetzt aus dem Englischen).

In den letzten fünf Jahren ist es seltener geworden, dass jemand in der Brüsseler Blase behauptet, die Gesundheit falle nicht in die Zuständigkeit der EU. Diese statische Interpretation, die früher als Rechtfertigung dafür diente, dass die Entscheidungsfindung im Gesundheitsbereich auf nationaler Ebene verbleiben sollte, wird zunehmend in Frage gestellt. Grund: Der Erfolg der europäischen Zusammenarbeit stellt das Potenzial für die Zukunft ins Scheinwerferlicht.

Was als Versuch begann, die Kohle- und Stahlproduktion zu bündeln, in der Hoffnung, das Konfliktpotenzial auf einem historisch kriegsgebeutelten Kontinent zu minimieren, hat sich zu einer Union entwickelt, die sich der Förderung von Demokratie und Menschenwürde verschrieben hat.

Unsere Zukunft wird nun davon abhängen, ob es uns gelingt, in guten und in schlechten Zeiten eine bessere Zusammenarbeit für besser koordinierte Ergebnisse zu nutzen.

Mehr denn je ist jetzt ein „Health in all Policies“-Ansatz erforderlich, um sicherzustellen, dass unsere Volkswirtschaften und Bürger:innen weiterhin profitieren. Eine direkte Förderung der Gesundheitspolitik, die die EU wieder zu einem globalen Innovator macht, wird eine Zukunft ermöglichen, die auf Prävention, rechtzeitigem und gleichberechtigtem Zugang zu Innovationen und besseren Ergebnissen für Bürger:innen und Patient:innen in ganz Europa beruht. Dies wird zu einer gesünderen Bevölkerung, einer höheren Erwerbsbeteiligung, einer höheren wirtschaftlichen Produktivität und mehr verfügbarem Einkommen führen. Schließlich ist Gesundheit Wohlstand.

Die Zukunft Europas in einer Welt nach COVID-19

In den letzten Monaten habe ich, sowohl beruflich als auch persönlich inspiriert, die Konferenz über die Zukunft Europas verfolgt. Da die Gesundheit einer der zehn Arbeitsbereiche ist, war es wichtig, diese Gespräche zu verfolgen, um zu verstehen, was sie für den Sektor bedeuten könnten. Aber als Europäerin möchte ich auch die Zielsetzung für die Zukunft der europäischen Gesundheit kennen.

Die Konferenz über die Zukunft Europas war ein Raum für eine offene, partizipative und transnationale Debatte, die Bürger:innen und Interessenvertreter:innen zusammenbrachte, um unsere europäische Zukunft zu diskutieren. Der am 9. Mai vorgelegte Abschlussbericht stützt sich auf unsere Grundwerte und gibt Leitlinien für die Zukunft unserer Union vor. Dies geschieht nach einer intensiven Zeit, in der sich die EU anpassen und neuen Bedrohungen für die Stabilität (Rezessionen, Terrorismus, Pandemien, Krieg) begegnen sowie gleichzeitig Nachhaltigkeit und Wachstum fördern musste. Wenn wir über unsere Zukunft sprechen, tun wir dann genug, um sicherzustellen, dass wir die Gesundheit als Priorität einbeziehen? Beziehen wir die Lehren aus diesen neuen Bedrohungen mit ein?

Gesundheit als Teil der Wirtschaft

Es besteht die Tendenz, sich auf die Gestaltung der Zukunft in strikter wirtschaftlicher Hinsicht zu konzentrieren, wodurch die Rolle, die die Gesundheit bei der Unterstützung unserer Volkswirtschaften spielt, oft unterschätzt, wenn nicht sogar völlig übersehen wird. Der Gesundheitssektor ist nicht nur wichtig für die Ankurbelung der Wirtschaft, sondern trägt auch entscheidend dazu bei, das Potenzial unserer Arbeitskräfte zu stärken, die Produktivität und das BIP insgesamt zu steigern.

Die forschende pharmazeutische Industrie ist eine der wichtigsten Triebkräfte des Gesundheitssektors und stellt etwa 10 % der europäischen Arbeitskräfte. Dieser Hochtechnologiesektor erzeugt nicht nur die höchste Wertschöpfung pro Beschäftigten, sondern schafft auch dreimal mehr indirekte Arbeitsplätze, sichert eine starke Wissensbasis in Europa und verhindert die Abwanderung von Fachkräften. Tatsächlich könnten Investitionen in eine bessere Gesundheit das globale BIP bis zum Jahr 2040 um bis zu 12 Billionen Dollar erhöhen, was einem satten Schub von 8 % für unsere Volkswirtschaften entspricht.

Die EU arbeitet daran, die Bemühungen um eine Neuausrichtung und Entwicklung der Gesundheitspolitik durch eine Reihe von Initiativen wie den Plan zur Krebsbekämpfung („Beating Cancer Plan“), die EU-Pharmastrategie und den Europäischen Gesundheitsdatenraum voranzutreiben. Die Förderung von Innovationen und die Entwicklung von Arzneimitteln müssen unbedingt weiterhin im Mittelpunkt stehen, selbst in einem Klima, in dem die Forschungs- und Entwicklungsbasis der EU allmählich erodiert ist. Die Forschung bildet die Grundlage für unser Verständnis von Wissenschaft und Gesundheitswesen – und Investitionen in diese Bereiche helfen uns, unser Ziel „Gesundheit ist Wohlstand“ zu erreichen.

Die Digitalisierung als Motor des Wandels

Die wichtigsten Innovationen im Gesundheitswesen werden heute durch die Zusammenarbeit zwischen den Sektoren unterstützt. Diese Innovationen tragen dazu bei, die Medizin voranzubringen sowie die Effizienz und die Ergebnisse für die Patient:innen zu verbessern. Insbesondere die Digitalisierung wird die Zukunft des Gesundheitswesens bestimmen – inwiefern und wie schnell, wird ein weiteres Thema der Konferenz sein.

Daher müssen wir digitale Standards und Lösungen auf EU-Ebene definieren, um unsere Fähigkeiten reibungslos und gleichmäßig in der gesamten Union zu entwickeln. Die Digitalisierung hat das Potenzial, Ungleichheiten zu verringern, da sie die Gesundheitsversorgung näher an die Patient:innen heranbringen kann, indem sie die personalisierte Medizin verbessert und gleichzeitig den Patient:innen die Möglichkeit gibt, ihre Behandlung selbst in die Hand zu nehmen. Bei unseren Bemühungen um die digitale Transformation des Gesundheitswesens ist es von größter Bedeutung, einen sektorübergreifenden Ansatz zu verfolgen und Innovation im Gesundheitswesen mit Innovation in der Technologie zu verbinden.

Unsere Zukunft in Europa

Seit ihrer Gründung vor 70 Jahren hat sich die europäische Zusammenarbeit an viele verschiedene Herausforderungen anpassen müssen, und mit jeder Anpassung kam ein neuer Schwerpunkt. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie viel wir erreichen können, wenn der politische Wille vorhanden ist. Wir können gemeinsam handeln und effizient und schnell ein Ökosystem entwickeln, das Innovationen unterstützt.

Die Pandemie hat die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen in den Vordergrund der EU-Agenda gerückt und die positiven Auswirkungen besserer Gesundheitslösungen sowohl für die Mitgliedstaaten als auch für die Bürger:innwn deutlich gemacht. Die Räder des Wandels drehen sich, und wir sollten diesen Schwung beibehalten, um sicherzustellen, dass Gesundheit als europäischer Wert verankert wird. Unsere Botschaft ist einfach: Die Gesundheit gehört in den Mittelpunkt der europäischen Zusammenarbeit.

Ivana Cattaneo ist Vorsitzende der EFPIA Onkologie-Plattform und Public Affairs Director Oncology Europe bei Novartis.


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Zahl des Monats

12 Billionen USD

oder 12,3 Billionen Euro würden die wirtschaftlichen Auswirkungen besserer Gesundheit weltweit ausmachen. Das heißt, das globale BIP könnte nach Berechnungen von McKinsey um 8 Prozent gesteigert werden – wenn Gesundheit neu gedacht und als Investment betrachtet werden würde, und nicht als Kostenfaktor. https://mck.co/3EDQ5eB

Quelle: How prioritizing health could help rebuild economies



Neil Davidson wird neuer General Manager bei GlaxoSmithKline …sterreich

© Tom Whipps

Blog

Prävention in Österreich: In die Zukunft investieren

Prävention ist ein gemeinsames Ziel für das Gesundheitssystem, die Gesellschaft und die Industrie. Die Verhinderung oder Verzögerung von Krankheit muss nicht nur aus Sicht des einzelnen ein zentrales Ziel sein, um Leid zu vermeiden. Es kommt zur Kosteneinsparung im System und damit zur Freisetzung von Budgetmitteln, um die langfristige Finanzierung von Innovationen sicherzustellen. Investition in die Erhaltung der Gesundheit muss als Investition in die Zukunft begriffen werden, nicht als Kostenposition, meint Neil Davidson, General Manager von GSK Österreich, in seinem Blog-Beitrag zu Prävention. Lesen Sie mehr über dieses brisante Thema im neuen FOPI.Blog!



Allergie

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Lebensverändernde Therapien

Innovationen für Allergien

Eine Allergie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität Erwachsener, sie ist auch bei Kindern keine Seltenheit: Sie zählt mit 20-25 % Häufigkeit sogar zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Eine Allergie-Immuntherapie kann als einzige Behandlungsform kausal – also die Ursache der Erkrankung bekämpfend – den natürlichen Verlauf allergischer Krankheiten günstig beeinflussen. Mehr dazu unter https://fopi.at/wir-sagen-danke/