Foto Astrid Kaltenböck (c) Jürgen Hammerschmid

Astrid Kaltenböck: Mangelnde Digitalisierung bremst klinische Forschung

Österreich hätte beste Voraussetzungen, in der klinischen Forschung führend zu sein. Doch große Komplexität im System sowie mangelnde Digitalisierung stellen Innovationsbremsen dar, weshalb klinische Studien in Österreich oft spät starten, meint Astrid Kaltenböck, Medical Director bei Biogen in ihrem Wordrap.

Was fasziniert Sie an klinischer Forschung?

Ich selbst habe meine berufliche Karriere in der klinischen Forschung begonnen und internationale Studien von Phase I bis zur Phase III (Zulassung) geleitet. Die wissenschaftlichen Innovationen und Therapien, die dabei hervorgehen, sind nicht nur essenziell für die Patienten von heute, sondern auch von morgen! Forschung per se ist für mich einfach faszinierend – Patient first!

Was heißt klinische Forschung in Österreich für Sie?

Sowohl lokale als auch internationale Forschung und Entwicklung auch in Österreich voranzutreiben, d.h. die Zusammenarbeit Pharma/Biotech/universitäre Einrichtungen gemeinsam mit der Medizin (den zukünftigen Anwendern) zu forcieren, um „unseren“ Patienten zu einem sehr frühen Zeitpunkt neueste medizinische Innovationen zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig im internationalen Wettbewerb als Innovationsstandort Österreich zu reüssieren.

Spielt Österreich in der internationalen klinischen Forschung mit oder verlieren wir den Anschluss?

Die Zahl der durchgeführten klinischen Studien in Österreich ist leider rückläufig. Das wirft ein schlechtes Licht auf den Forschungsstandort insgesamt, dabei haben wir beste Voraussetzungen, international führend zu sein. Mittelmäßigkeit darf für ein Land wie Österreich keine Option sein.

Wo sind die Pain-Points der klinischen Forschung in Österreich?

Zu große Komplexität im Design als auch in der Genehmigung klinischer Studien durch öffentliche Stellen wie Gesundheitsbehörden, Ethikkommissionen sowie administrative und vertragliche Prozesse. Mangelnde Digitalisierung und auch Datenschutz stellen leider auch noch Innovationsbremsen dar, sodass Studien in Österreich oft (zu) spät starten.

Was würden Sie benennen, wenn Sie drei Wünsche zur Verbesserung der Lage freihätten?

Bürokratieabbau und Agilität in der Gesetzgebung auch gegenüber innovativen Ansätzen. Die im Rahmen der COVID-19-Pandemie eingeführten Flexibilitäten sollten dauerhaft beibehalten werden, sowie Digitalisierung und Artificial Intelligence müssen essenzieller Teil der Zukunft klinischer Studien sein.

Dr. Astrid Kaltenböck ist Medical Director von Biogen in Österreich. Die promovierte Pharmazeutin besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung in unterschiedlichen lokalen und auch globalen Positionen (EU & USA) in der R&D und Medical Affairs sowohl in Pharma- als auch Biotech-Industrie. Ihr Interesse liegt im Bereich der Neurowissenschaften, Healthcare & IT und personalisierte Medizin.